milchbildungInformationen über die Milchabgabe der weiblichen Milchdrüsen.

 

 

laktogeneseMilchaustritt aus weiblicher Brust (Mamma), Urheber: Maman

Milchbildung

Zum besseren Verständnis Funktionsweise der laktierenden Brust werden hier die 3 Phasen der Milchbildung von der Schwangerschaft bis zum regelmäßigen Stillen erläutert. Diese Phasen werden Laktogenese 1 - 3 genannt. Desweiteren werden die Regulationsmechanismen erklärt und praktische Tipps zur Steigerung der Milchmenge gegeben.

 

Laktogenese 1


Mit dem Fachbegriff Laktogenese 1 bezeichnet man die erste Phase der Milchbildung. Die Laktogenese I wird hormonell gesteuert. Man vermutet, dass in erster Linie ein hoher Prolaktinspiegel für die Differenzierung von Milchdrüsengewebe erforderlich ist. In dieser Phase differenzieren sich die Brustdrüsen der Frau zur Milchbildung. Zunächst (üblicherweise ab dem ca. 4. - 5. Monat einer Schwangerschaft) wird das gelbliche oder wässerige Kolostrum (Vormilch) gebildet. Im Kolostrum sind verschiedene Immunstoffe besonders hoch konzentriert, z.B. Immunglobulin IgA, Laktoferrin, Lysozym. In dieser Phase nehmen die Brüste meist an Umfang zu. Die Zunahme der Brust lässt aber nicht zwangsläufig auf die spätere Milchmenge schliessen.

Laktogenese 2


Der Fachbegriff Laktogenese 2 bezeichnet die zweite Phase der Milchbildung. In der Laktogenese 2 beginnt die Produktion der reifen, weißen Muttermilch. Mittermilch besteht zu 88% aus wasser und zu 12% aus festen Bestandteilen. Die Produktion wird durch die Geburt ausgelöst. Rund 30 Stunden nach dem Ausscheiden der Placenta steigt die vorher geringe Milchmenge an. Der eigentliche Milcheinschuss erfolgt 2-3 Tage nach der Geburt und lässt das Volumen der Brüste abermals zunehmen. Die Umstellung vom Kolostrum zur Bildung der reifen Muttermilch wird ebenfalls noch hormonell (endokrin) gesteuert. Wenn die Brust aber anschliessend nicht entleert wird nimmt die Milchproduktion ab dem 3. - 4. Tag nach der Geburt ab. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass die Brust in dieser Phase
oft und regelmäßig entleert wird. Auch der mechanische Reiz der Brustwarze ist wichtig da dieser den Milchbildungsreflex auslöst. In Folge des Berührungsreizes resultiert eine Prolaktinausschüttung des Hypophysenvorderlappens, welche eine gesteigerten Milchproduktion (Laktogenese) der weiblichen Brustdrüsen zur Folge hat.

Laktogenese 3


Laktogenese 3 nennt man die Phase der Laktations-Aufrechterhaltung. Die Menge der Milchproduktion richtet sich jetzt nach der Nachfrage (autokrin). Es wird so viel Milch produziert wie aus den Brüsten angefordert wird. In dieser Phase wird die Milchbildung an den Appetit des Babys angepasst. Die Trinkmenge bleibt dabei über die ersten 6 Monate relativ konstant und beträgt durchschnittlich 700 bis 900 ml pro Tag, kann aber individuell auch deutlich nach oben oder unten abweichen. Während manche Brüste zunächst zuviel Milch produzieren und sich dann selbst herunterregeln ist es bei anderen umgekehrt und die Milchmenge muss gesteigert werden.



Regulation und Steigerung der Milchmenge

Wie bereits zuvor erwähnt erfolgt die Menge der Milchproduktion durch die Nachfrage, genauer genommen durch den Entleerungsgrad der Brust. Je stärker die Brust entleert wird, desto schneller wird neue Milch gebildet. Die Brüste regeln ihre Milchproduktion unabhängig von einander wird eine Brust stärker entleert als die andere steigt hier die Milchproduktion stärker an wohingegen die Produktion in der wenig entleerten Brust sinkt. Die Mutter sollte dem Baby bei jedem Stillen stets beide Brüste anbieten und regelmässig wechseln (Wechselstillen). Langes Stillen auf einer Seite ist nicht so effektiv wie kürzeres (ca. 10 bis 15 Minuten)
Um die grösstmögliche Milchmenge zu bilden, muss die Brust möglichst komplett und häufig entleert werden.Da ein Baby die Brust niemals vollständig entleert (sondern nur zu ca. drei Viertel) kann durch anschliessendes Nachpumpen die Milchmenge gesteigert werden.
Ein Teil dieser Steigerung lässt sich kurzfristig erzielen (durch höhere Neuproduktion / Steigerung der Milchrate). Entleert man die Brust regelmässig und über einen längeren Teitraum vollständig kann sich wieder Milchdrüsengewebe zur Milchproduktion bilden. Letzterer Vorgang braucht allerdings mehrere Wochen bis Monate. dabei gilt: Je früher nach der Geburt eine Mutter nach der Niederkunft mit dem regelmäßigen gründichen Entleeren der Brust beginnt, umso größer die Möglichkeit eine große Milchmenge zu erreichen. Die Bildung von Milchdrüsengewebe setzt allerdings meist einen hohen Prolaktinspiegel voraus. Bei zu niedrigem Prolaktin-Spiegel können Medikamnte (Galaktogoga) eingesetzt werden, die den Prolaktin-Spiegel steigern. Üblicherweise wird hierzu Domperidon verwendet. Für die reine Aufrechterhaltung der Milchbildung ist ein hoher Prolaktin-Spiegel allerdings nicht erforderlich.

 

Daly SE, Hartmann PE: Infant demand and milk supply. Part 2: The short-term control of milk synthesis in lactating women. J Hum Lact. 1995 Mar;11(1):27-37.

Kent JC: How breastfeeding works. J Midwifery Womens Health. 2007 Nov-Dec;52(6):564-70.

Academy of Breastfeeding Medicine: ABM Clinical Protocol #9: Use of Galactogogues in Initiating or Augmenting the Rate of Maternal Milk Secretion (First Revision January 2011)

Abbildungen:
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